Die Chronik der VDSÖ
25 Jahre für ein demokratisches Heer
Wer wissen möchte, was die VDSÖ ist, sollte auf das blicken, was sie im Laufe ihrer bewegten Geschichte erreicht hat. Als sich vor 25 Jahren eine Handvoll aktiver Präsenzdiener zu einem „Komitee für eine Vereinigung demokratischer Soldaten Österreichs“ formierten, ahnte niemand wie nachhaltig sie das Heer verändern würden. Direkt oder indirekt hat die VDSÖ dem Heer ihren Stempel aufgedrückt. Doch beginnen wir mit der Gegenwart, die leider auch so manches Déjà-vu-Erlebnis aufkommen lässt. Es gibt noch immer viel für Heer und Demokratie zu tun!
2006
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Die VDSÖ geht online. Die Generalversammlung beschließt neben personellen Veränderungen im Vorstand sowie neuen Statuten die Schaffung einer Homepage: vdsoe.org dient als Organisations- und Diskussionsplattform für Wehrpflichtige und wehrpolitsch Interessierte.
Foto: Breitenfellner
Knapp 40 Personen, darunter einige „VDSÖ-Veteranen“ nehmen an einer historischen Wanderung auf den Spuren des antifaschistischen Widerstandes im Salzkammergut teil. Der Leiter der KZ-Gedenkstätte Ebensee beschreibt den Beitrag der Partisanen für die Befreiung Österreichs in den letzten Kriegstagen. Ein Zeitzeugengespräch mit einem ehemaligen Widerstandskämpfer aus dem Ausseerland bildet den abschließenden Höhepunkt.
Der Assistenzeinsatz des Bundesheeres zur Grenzsicherung im Burgenland sowie in Niederösterreich entlang der March wird um ein weiteres Jahr bis Ende 2007 verlängert. Im Schnitt sind an mehr als 450 Kilometer Grenze zu Ungarn und der Slowakei täglich rund 2.200 Soldaten im Einsatz. Ihre Hauptaufgabe ist es illegale Grenzübertritte unbewaffneter Flüchtlinge zu verhindern. Die VDSÖ kritisierte diesen Einsatz seit seiner Einführung 1990, da Präsenzdiener für solch verantwortungsvolle grenzpolizeiliche Aufgaben weder ausreichend ausgebildet noch abgesichert sind. Immer wieder kommt es dabei zu Schussverletzungen oder Selbstmorden.
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2005
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Faksimile: derStandardWieder wird ein Video entdeckt, das eine so genannte „Crowd and Riot-Control“-Übung in der Hessen-Kaserne Wels zeigt. Dabei gehen Kadersoldaten mit Schlagstöcken und Schutzanzügen gegen ungeschützte Grundwehrdiener vor, die Demonstranten spielen. Zahlreiche Verletzungen sind die Folge. Die gefilmte Übung diente zur Vorbereitung einer in Polen abgehaltenen Übung im Rahmen der „NATO-Partnerschaft für den Frieden“: „Strong Resolve 02“. VDSÖ-Veteranen fühlen sich in das Jahr 1982 zurückversetzt, als sie ebenfalls in Oberösterreich eine Übung zum Einsatz gegen eine Friedensdemo aufgedeckt hatten.
Insgesamt stehen sieben Kasernen im Mittelpunkt der Ermittlungen seit Ausbruch des „Folterskandals“ Ende 2004: Freistadt, Landeck, Bludesch, Wels, Götzendorf, Klagenfurt und Treffling. Als Konsequenz werden Generalmajor Christian Segur-Cabanac die Kompetenzen für die Ausbildung von Rekruten entzogen. Vier Bundesheer-Angehörige werden in Zusammenhang mit den Übergriffen suspendiert, darunter der Leiter der Ausbildungsabteilung. Diesbezügliche Verfahren werden von der Staatsanwaltschaft eingestellt, da die Ausbildungsvorschriften die damalige Vorgangsweise nicht explizit verboten hätten. Die Vorschriften werden jedoch in diesem Punkt wesentlich überarbeitet, um in Zukunft solche Zwischenfälle zu verunmöglichen. In der VDSÖ wird die Erstellung einer Homepage für Präsenzdiener diskutiert. Denn zur Prävention von Missständen braucht es eine (virtuelle) Kasernenöffentlichkeit.

Foto: BundesheerWährend einer Gedenk-
veranstaltung aus Anlass „60 Jahre Befreiung Wiens“ wird der Innenhof des Verteidigungs-
ministerium in Carl-Szokoll-Hof benannt. Major Carl Szokoll war am Attentat gegen Hitler mitbeteiligt und wirkte 1945 als Hauptperson an der Übergabe Wiens an die Alliierten mit. So konnte weiteres Blutvergießen vermieden werden, nachdem die Befreiung Wiens bereits Tausenden das Leben gekostet hatte. Die VDSÖ wertet den Akt als richtigen Schritt um das Geschichtsbewusstsein im Heer zu schärfen.
Bei der parlamentarischen Bundesheer-Beschwerdekommission werden in diesem Jahr 654 Beschwerden eingebracht, das sind um 40 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Gut ein Drittel dieser Beschwerden werden von Grundwehrdienern eingebracht. Die Vorwürfe reichen von Besoldung und Versorgung der Soldaten, über wiederbetätigungsrelevante Tatbestände, wüste Beschimpfungen, Schikanen, Fußtritte, hygienische und bauliche Mängel, unzureichende medizinische Betreuung, Kollektivstrafen (Entzug der Überzeitscheine), sexuelle Belästigung von Soldatinnen bis zur Nichteinhalten der Ruhezeit. Wie der amtsführende Vorsitzende der Bundesheer-Beschwerdekommission, Anton Gaal, betont, geht es darum, Missstände dauerhaft zu unterbinden.
Das Wehrrechtsänderungsgesetz 2005 sieht die Verkürzung des Wehrdienstes auf sechs Monate ab 2008 vor. Minister Platter kündigt eine Weisung an, um sicherzustellen, dass bereits ab 1.1.2006 nur noch sechs Monate zu leisten sind. Die VDSÖ begrüßt die Verkürzung als Erfüllung ihrer langjährigen Forderung.
Der Selbstmord eines steirisches Soldaten, der dritte in diesem Jahr, stellt erneut die den Assistenzeinsatz an der burgenländischen Grenze in Frage. Seit Beginn des Grenzdienstes, haben sich dort 19 junge Männer das Leben genommen; und das, obwohl diese Soldaten in der Regel nur sechs bis acht Wochen ihrer Bundesheerzeit dort Dienst leisten. Die VDSÖ hat wiederholt davor gewarnt, dass junge Männer mit der Situation psychisch überfordert sind, nicht kriminelle Flüchtlinge zurückweisen und internieren zu müssen. Vom zuständigen General Christian Segur-Cabanac wird jedoch jeder dienstliche Zusammenhang zurückgewiesen. Die VDSÖ kritisiert zudem, dass Rekruten oft bis zur Erschöpfung mit scharfer Munition patrouillieren müssen.
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2004
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Foto: BundesheerUnter der Leitung von Alt-bürgermeister Helmut Zilk präsentiert die Bundesheer-
reformkommission ihr Konzept „Bundesheer 2010“. Darin sind wesentliche VDSÖ-Forderungen enthalten: der Grundwehrdienst soll nach Wegfall des Assistenz-einsatzes an der Staatsgrenze ab 2007 auf sechs Monate verkürzt werden. Nicht den VDSÖ-Vorstellungen entspricht die Orientierung und Kompatibilität mit einem Freiwilligenheer. Weitere Forderungen jedoch sehr wohl: Anhebung des Monatsgeldes bis hin in den Bereich der Lehrlingsentschädigungen; Anerkennung herausragender Dienstleistungen durch Prämien und Sachleistungen sowie die Abgeltung überdurchschnittlicher Belastungen oder auch Gefährdungen im Rahmen der Ausbildung, Reduzierung der Belegungsstärke in Kasernenunterkünften; gemeinsame „Soldatenrestaurants“ für alle Personengruppen sowie Internetcafes; planbare und garantierte Freizeit; Überprüfung der Notwendigkeit der Dienste vom Tag; Reduktion der Systemerhalter auf ein Mindestmaß.
Die Holocaust leugnenden bzw. verharmlosenden Äußerungen des später wegen Wiederbetätigung rechtskräftig verurteilten Bundesratsabgeordneten Oberst Gudenus lösen eine Welle der Empörung aus, nicht aber seinen Ausschluss aus der Offiziersgesellschaft. Verteidigungsminister Günther Platter greift eine alte Initiative der VDSÖ für demokratische Traditionspflege im Heer auf, um die Rolle der Soldaten aus Österreich im Widerstand gegen Hitler „sensibel“ aufzuarbeiten. Zu Ehren des als Widerstandskämpfer 1944 hingerichteten Mitverschwörers Stauffenberg gegen Hitler, Oberstleutnant Robert Bernardis, wird ein Gedenkstein in Enns errichtet, eine Ausstellung im Heeresgeschichtlichen Museum gezeigt sowie ein Symposium an der Landesverteidigungsakademie veranstaltet. Die VDSÖ fordert, die Traditionspflege auf die tausenden ÖsterreicherInnen auszuweiten, die in den alliierten Armeen und in Partisanengruppen militärischen Widerstand geleistet hatten.
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Faksimile: ProfilEin im Dezember von einem Rekruten veröffentlichtes Video vom Oktober 2003 löst einen der größten Nachkriegs-skandale des Bundesheeres aus. Gezeigt werden darin körperliche und psychische Übergriffe gegen rund 80 Grundwehrdiener im Rahmen einer inszenierten „Geiselnahme“. Aufgenommen in der Tilly-Kaserne von Freistadt, nördlich von Linz, müssen darin von einem Marsch erschöpfte Rekruten mit über den Kopf gezogenen Säcken durch Misthaufen robben, sich von Ausbildern anbrüllen und misshandeln lassen. Schon bald werden ähnliche Fälle von Foltersimulation in der Pontlatz-Kaserne in Landeck und bzw. Scheinhinrichtungen in Bludesch-Kaserne in Vorarlberg bekannt. In Übereinstimmung mit der VDSÖ fordert der Vorsitzende der sozialistischen Jugend, Jakob Huber, als ersten Schritt gegen den Wildwuchs autoritärer Strukturen, eine Demokratisierung des Bundesheeres, mittels einer gewählten Interessenvertretung für SoldatInnen.
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2003
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Foto: JVPDie Junge ÖVP nimmt in ihrem Reformprogramm „Neue Lage“ neben einem Appell für sechs Monate Wehrdienst langjährige VDSÖ-Forderungen auf: Weiterbildung während des Präsenzdienstes und die Stärkung der Funktion des Soldatensprechers durch Erweiterung der Zuständigkeiten und Schutz vor Repressalien. Weiters fordert sie einen unabhängigen Disziplinarrat für objektive Disziplinarverfahren sowie bessere Freizeitmöglichkeiten in Kasernen. Allerdings wird auch die Umstellung der Milizkräfte auf vollständige Freiwilligkeit gefordert.
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2002
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Das Heeresdisziplinargesetz wird novelliert. Wesentliche Inhalte sind die Fortschrebiung der von der VDSÖ bereits in den Vorjahren durchgestzten Reformen (Abschaffung von Disziplinararrest und -haft, Recht auf Rechtsanwalt, etc.). Soldaten im Grundwehrdienst (bzw. den ersten sechs Monaten des Ausbildungsdienstes) können nur mehr wie folgt bestraft werden: Verweis, Geldbuße (max. 15% d. Bemessungsgrundlage), Ausgangsverbot (mind. 1 Tag, max. 14 Tage), Degradierung (zum Rekruten) bzw. Unfähigkeit zur Beförderung (nur für Soldaten mit dem Dienstgrad Rekrut).
2002 wurden das Verteidigungsministerium und die unmittelbar nach geordneten Dienstellen neu gegliedert. Es wurden 3 Sektionen (Zentralsektion, Kontrollsektion, Generalstab) eingerichtet. Die Korpskommanden wurden aufgelöst, das Kommando Landstreitkräfte (Salzburg) wurde gegründet. Die Aufgaben der Luftstreitkräfte wurden im Kommando Luftstreitkräfte, die Auslandseinsätze im Kommando Internationale Einsätze (Graz) und die Spezialeinsätze im Kommando Spezialeinsatzkräfte (Wr. Neustadt) zusammengefasst.
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2001
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Die Anzahl der Beschwerden bei der parlamentarischen Beschwerdekommission, der auch die VDSÖ-Vorstandsmitglieder Kurt Wegscheidler und Heinz Weingartner angehören, beträgt 502. Hinzu kommen über 2800 telefonische Anfragen. 59% der Beschwerden wurden von Grundwehrdienern herangetragen.
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2000
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Das 21. Seminar des Europäischen Wehrpflichtigen-
rates (ECCO) findet in Valtice, (Tschechische Republik) statt. Themen sind “Korruption in den Streitkräften“ sowie „Wandel der Sicherheitsstrukturen in Europa und ihre Auswirkungen auf Wehrpflichtige“.
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1999
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Foto: BundesheerKnapp zwei Wochen nach dem Selbstmord eines siebzehnjährigen Rekruten im Burgenland während des Assistenz-einsatzes erschoss ein Wehrmann in Tirol einen Kameraden bevor er sich selbst richtete. Zwar liegt die Selbstmordrate bei den Präsendz-dienern nicht allzu weit vom (männlichen) österreichischen Bevölkerungsschnitt weg. Die Vorfälle werfen jedoch Diskussionen über den Sinn des bewaffneten Assistenzeinsatzes von Wehrpflichtigen an der Grenze nach knapp zwei Monaten Grundausbildung auf. Ein Problem auf das die VDSÖ wiederholt aufmerksam macht.
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1998
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VDSÖ-Vorstandsmitglied Gottfried Pingitzer wird als Vizevorsitzender in das Exekutivkomitee des Europäischen Wehrpflichtigenrates, ECCO, gewählt.

Foto: Harald MannsbergerEin neues demokratisches Vertretungsmodell für Präsenz- und Zivildienst wird von der VDSÖ gemeinsam mit der Österreichischen Gewerkschafts-jugend und der Plattform für Zivildiener auf einer Pressekonferenz vorgestellt. Das neue Modell baut jeweils auf bereits bestehenden Einrichtungen auf, die über verschiedene Plattformen eine bundesweite, flächendeckende Vertretung der Interessen der Präsenz- und Zivildiener ermöglichen. Beim Präsenzdienst sind dies die Ebenen Soldatenvertreter, Landesrekrutenausschuss, Truppenkörpersprecher, Nationaler Rekrutenkongress und Zentraler Rekrutenausschuss. Regelmäßig sollen Kongresse aller Wehrpflichtigen stattfinden. Damit sollten Wehrpflichtige ähnlich wie Schüler oder Studenten ihre Interessen landesweit artikulieren können.
Für 1998-2000 wurde vom Ministerrat eine neue Heeresstruktur beschlossen: Das Korpskommando III wurde ersatzlos aufgelöst; das Bundesheer ist (ähnlich wie 1973-95) wieder in 2 Korps gegliedert: Dem I. Korps mit Kommando in Graz für Steiermark, Niederösterreich, Burgenland und Kärnten und dem II. Korps mit Kommando in Salzburg für Oberösterreich, Salzburg, Tirol und Vorarlberg. Dem Verteidigungsministerium unmittelbar nachgeordnet sind die Fliegerdivision, das Militärkommando Wien sowie Ämter, Akademien und Schulen. Der Mobilmachungsstand wurde auf 120.000 Mann reduziert.
Seit 1998 besteht die Möglichkeit eines freiwilligen Wehrdienstes für Frauen (Laufbahn als Berufsoffizier bzw. Berufsunteroffizier); im Rahmen von Auslandseinsätzen waren Frauen schon früher eingesetzt. Die VDSÖ heißt die Kameradinnen herzlich willkommen.
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1997
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In der parlamentarischen Bundesheerbeschwerdekommission, der auch die VDSÖ-Mitglieder Kurt Wegscheidler und Heinrich Weingartner angehören, wurden über 2100 telefonische Anfragen und 351 Beschwerden bearbeitet. Der Beschwerderückgang wird vom Verteidigungsministerium unter anderem auf verbesserte Ausbildung der Ausbildner zurückgeführt. Doch wie sich schon bald herausstellen wird, ist dieser Schluss etwas voreilig.
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1996
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Die parlamentarische Beschwerdekommission beim Bundesheer erhält eine Kummernummer zum Ortstarif ein, die Anfragen und Einreichungen erleichtern. Die Rekordzahl von insgesamt 752 individuellen Beschwerden wird eingereicht, davon werden 72% als zumindest teilweise berechtigt anerkannt. Die angeführten Beschwerdegründe reichen von baulichen Mängeln bei Kasernen, über mangelnd ärztliche Betreuung, Verletzung der Menschenwürde durch Beleidigungen und Handgreiflichkeiten, demotivierendes Führungsverhalten, überlange Dienstdauer, schikanöse Spind- und Zimmervisiten, bis zur Nichtgewährung von Prämien bzw. Zulagen.
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1995
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Die „Heeresgliederung neu“ wird abgeschlossen. Die Einsatzorganisation sieht damit einen Mobilmachungsstand von 150.000 Mann (einschließlich Reserven) vor. Damit verbunden ist das Abgehen vom Konzept der Raumverteidigung und der Übergang zu einer grenznahen Einsatzdisposition, was von der VDSÖ kritisiert wird.
Die Zahl der Beschwerden beim Bundesheer nimmt wieder zu. Aus dem von der parlamentarischen Beschwerde-
kommission vorgelegten zwei Jahresberichten geht hervor, dass die Zahl der Beschwerden von 1994 auf 1995 um fast die Hälfte von 333 auf 488 gestiegen ist. Zwei von drei Beschwerden, die die Kommission behandelte, erwiesen sich als berechtigt. Daneben hatte diese noch telefonische Anfragen zu bearbeiten. Auch deren Anzahl ist kräftig gestiegen, von 1994 (über 500) bis 1995 (1132) auf mehr als das Doppelte. Waren früher Beschwerden hauptsächlich von Kaderangehörigen eingebracht worden, konstatiert die Kommission nun einen deutlichen Anstieg von Beschwerden von Grundwehrdienern, insbesondere von Soldaten, die nicht Akademiker oder Soldatenvertreter sind. Der Großteil der Beschwerden betraf schikanöse Behandlung, Missbrauch der Befehlsgewalt, Übergriffe in der Ausbildung, Dienstdauer und –freistellung sowie Ausgang.
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1994
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Folgende Forderungen von VDSÖ und Bundesjugendring werden umgesetzt: Der Zapfenstreich wird versuchsweise reduziert. Ab dem dritten Monat werden über längeren Zeitraum „Heimschläfer“ probeweise genehmigt. Der Samstagdienst wird stark eingeschränkt (zweimal bzw. ab dem dritten Monat einmal monatlich). Das Monatsgeld wird um etwa ein Drittel auf fast 3.000,- Schilling erhöht. Hinzu kommen ca. 1000,- Schilling Prämie. Neu eingeführt wird auch die Freifahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln - allerdings nur in Uniform.
Das offizielle Liederbuch wird gemäß langjähriger VDSÖ-Forderung entstaubt. Alte Wehrmachtslieder werden nun endgültig aus dem Bundesheer verbannt. An der Beseitigung der Relikte aus Monarchie und Ständestaat in der Traditionspflege will man zu arbeiten beginnen.
Gleichzeitig wird der Zivildienst verschärft und auf 11 Monate angehoben. Die VDSÖ fordert weiter hin: Statt weniger für Zivildiener mehr Rechte für Präsenzdiener!

Foto: DennEin Meilenstein für die Pressefreiheit in Europas Kasernen wird gesetzt. Am Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg findet eine Verhandlung statt. Auf der Anklagebank: die Republik Österreich wegen des Vertriebsverbots der VDSÖ-Zeitung „Der Igel“ in Kasernen. Die „Affaire Vereinigung Demokratischer Soldaten Österreichs et Gubi c. Autriche“ geht in die europäische Rechtsgeschichte ein. Der Gerichtshof gibt der VDSÖ gegen die Republik Österreich Recht. Der Kasernenvertrieb der Zeitung „Der Igel“ hätte nicht verboten werden dürfen.
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1993
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Die VDSÖ fordert statt geplanter Verlängerung des Zivildienstes eine attraktivere Gestaltung des Wehrdienstes um die Lücke an Wehrpflichtigen auszufüllen.
Auf Initiative der VDSÖ wird im Bundesjugendring, dem Zusammenschluss der meisten Jugendorganisationen des Landes, eine Arbeitsgruppe „Mehr Rechte für den Wehrbuckel“ geschaffen. Der dort entwickelte Antrag wurde vom Vorstand angenommen. Die Forderungen: Österreichweites Soldatenvertretersystem, Abschaffung des generellen Zapfenstreichs, 40-Stunden-Woche und 5-Tage-Woche, Verdoppelung des Monatsgeldes auf 3.600,- Schilling, Reform des Militärstrafgesetzes, Effektive Pressefreiheit und demokratische Traditionspflege. Das Programm wird von einer Delegation aus VDSÖ und Bundesjugendring Verteidigungsminister Fasslabend präsentiert und mit ihm diskutiert.
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1992
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VDSÖ unterstützt das Heeresausbildungskonzept der SPÖ, das als Maßnahme zur Demokratisierung u. a. die Kommandantenwahl bei der Miliz (wie bei der freiwilligen Feuerwehr) vorsieht. Solche Wahlen werden auch in der schwedischen Miliz erfolgreich praktiziert.
Zum ersten Mal findet eine Konferenz europäischer Wehrpflichtigenorganisationen (ECCO) im ehemaligen „Ostblock“ statt. In Merin bei Prag werden v. a. die Probleme der Wehrpflichtigen in Ost- und Mitteleuropa beim Demokratisierungsprozess der Armeen diskutiert. Erörtert werden auch der Konflikt im ehemaligen Jugoslawien sowie die beklagenswerte Menschenrechtssituation in der ehemaligen Sowjetunion.
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1991
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Der Vorsitzende der VDSÖ, Kurt Wegscheidler wird Mitglied der parlamentarischen Beschwerdekommission für militärische Angelegenheiten. Unter seiner Beteiligung macht diese Institution Fortschritte in ihrer aktiven Entwicklung als Instrument parlamentarischer Kontrolle über das Heer. Die VDSÖ selbst bringt mehre parlamentarische Anfragen ein.
Die Einrichtung des unabhängigen Verwaltungssenats schafft eine Berufungsinstanz für den provisorischen Arrest (maximal 48 Stunden).
Die VDSÖ präsentiert ein mitredigiertes demokratisches Soldatenliederbuch. Es bietet eine Alternative zum militaristischen Liedergut, das von vielen Kommandanten bevorzugt wird.
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1990
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Die VDSÖ veröffentlicht in der Perlen-Reihe einen Soldatenratgeber, der alphabetisch angeordnet, umfassend praktische Tipps für Dienstgebrauch und Kasernenleben bietet. Der Bundesjugendring konstatiert, dass darin „hohes Niveau mit Verständlichkeit gekoppelt“ ist.
Die VDSÖ beteiligt sich an wichtigen allgemeinen Diskussionen über die Zukunft des Heeres und stellt in Zusammenarbeit mit der Sozialdemokratischen Partei ein Programm für substantielle Verbesserungen auf, u. a. ein effektives Soldatenvertretersystem.
Der Verteidigungsminister führt die Fünftagewoche für 20% der Wehrpflichtigen ein und erhöht das Tagesgeld auf 70,- Schilling, beides langjährige Forderung der VDSÖ. Gleichzeitig wird die Gewissensprüfung durch die Zivildienstkommission abgeschafft.
Die Konferenz europäischer Wehrpflichtigenorganisationen (ECCO) in Alcala de Henares bei Madrid, an deren Vorbereitung sich die VDSÖ im Lenkungsausschuss beteiligt, warnt vor den Gefahren des Bundesheereinsatzes an der österreichischen Ostgrenze. Dieser könnte zu „extremen Überreaktionen führen, für die Wehrpflichtige mit strafrechtlicher Verfolgung zu zahlen“ hätten.
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1989
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Die VDSÖ setzt das vermutlich liberalste Militärdisziplinargesetz Europas durch, ohne Disziplinararrest und Disziplinarhaft sowie mit dem Recht einen Anwalt bei zuziehen.
Die VDSÖ bekommt teilweise in einem Prozess gegen die Unterdrückung der VDSÖ-Zeitung „Der IGEL“ Recht und bringt eine Beschwerde beim Europäischen Gerichtshof für Menschrechte in Strassburg zur Durchsetzung der Pressefreiheit in Österreichs Kasernen ein.
Die VDSÖ baut ihre Zusammenarbeit mit der Gewerkschaftsjugend und einigen anderen wichtigen Jugendorganisationen aus. Der Vorsitzende der Gewerkschaftsjugend mit 90.000 Mitgliedern wird in den Vorstand gewählt.
Die VDSÖ ist an der Aufdeckung eines Geheimdokuments des Verteidigungsministeriums beteiligt, in welchem zwei grüne sowie die kommunistische Partei bezichtigt werden, potentiell terroristisch und subversiv zu sein und im Dienst des Warschauer Paktes zu stehen. Das Papier wird im Parlament verurteilt und führt zu einer parlamentarischen Kontrolle der Armeegeheimdienste.
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1988
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Der VDSÖ gelingt es, durch parlamentarische Arbeit Verschlechterungen in einer Novellierung des Heeres-disziplinargesetzes zu blockieren und einige zusätzliche Verbesserungen einzubringen.
Die VDSÖ sammelt Unterschriften unter allen Soldatensprechern des Landes mit der Forderung nach einem bundesweiten Soldatensprechersystem.
Teilnahme an der offiziellen Feier im KZ Mauthausen aus Anlass des Jahrestages der Befreiung Österreichs.
Der größte Erfolg des Jahres ist die Abschaffung der Disziplinarhaft. Die VDSÖ strengt drei Prozesse für das Recht auf Pressefreiheit in Kasernen an.
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1987
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Beginn der Herausgabe einer neuen Zeitung der VDSÖ mit Namen „Der IGEL“.
Die VDSÖ bringt eine Beschwerde wegen eines „Unfalls“ ein, bei dem ein Wehrpflichtiger während einer Militärübung umkommt. Die VDSÖ protestiert gegen skandalöse Zustände im Heeresgesundheitswesen und entwirft ein Programm zu dessen Verbesserung.
Mehrere Male nimmt die VDSÖ an Fernseh- und Radiodiskussionen teil. Einmal konfrontieren Mitglieder der VDSÖ Verteidigungsminister Lichal und den Armeekommandanten mit den Zuständen in den Kasernen während einer Live-TV-Sendung.
Erstmals wird mit Gerald Gerstbauer ein Vorsitzender der Gewerkschaftsjugend in den Vorstand der VDSÖ gewählt. Damit wird die Qualität der Zusammenarbeit auf eine neue Stufe gestellt. Der ÖGJ-Kongress beschließt seine Unterstützung für die VDSÖ zu erweitern.
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1986
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Das neue, von der VDSÖ maßgeblich durch die Verfassungsgerichtshof-Beschwerde und die Verhandlungen mit dem Ministerium bewirkte Heeresdisziplinargesetz tritt in Kraft. Verbesserungen: Abschaffung des Arrests, Einschränkung der Ordnungshaft, Gnadenrecht des Bundespräsidenten, Verschlechterungsverbot bei Disziplinarstrafen für die 2. Instanz, unabhängige Haftprüfungsorgane. Die Einbeziehung von Reservisten in das Heeresdisziplinargesetz bleibt zwar, wird aber beschränkt.
Die VDSÖ bringt Disziplinarbeschwerden ein gegen einen pensionierten General und den Verteidigungsminister wegen der Anbringung einer „Gedenktafel“ in der Landesverteidigungsakademie (Wiener Stiftskaserne) für den Kriegsverbrecher und „Nationalsozialisten der Tat“, Alexander Löhr. Maßgebliche Beteiligung der VDSÖ an der Beseitigung der „Gedenktafel“ durch den Bundesminister für Bauten und Technik.
Aufdeckung von Schikanen in der Wiener Carlskaserne („Maskenbälle“ bei Niedrigtemperaturen durch Antreten im Kasernenhof im Nachthemd, mit Stahlhelmen und Rückengepäck), „Napalmübungen“ durch mehrmaliges Rollen im Schlamm). Nach der Weitergabe dieser Informationen an die Presse durch die VDSÖ kontrolliert der Generaltruppeninspektor die Einheit, was zu einigen Problemen der Verantwortlichen führt.
Wehrgesetznovelle 1986. Das Parlament beschließt die Novelle nach Protesten der VDSÖ und der Jugendorganisationen ohne die ursprünglich vom Verteidigungsministerium vorgesehene Einbeziehung von bisher Untauglichen in den Wehrdienst und ohne die vorgesehene Ausdehnung der Waffenübungspflicht für Reservisten. Beschlossen werden lediglich die auch von der VDSÖ unterstützten Verbesserungen für Zeitsoldaten.
Die VDSÖ organisiert die 8. Konferenz europäischer Wehrpflichtigenorganisationen (ECCO) in Wien. Teilnahme der Gewerkschaft öffentlicher Dienst, der Regierungsparteien, der wichtigsten Jugendorganisationen und der Friedensbewegung, sowie internationaler Berufssoldatenorganisationen. Soldatenorganisationen, die 600.000 Wehrpflichtige und Berufssoldaten vertreten, sind anwesend. Unterstützung der Konferenz durch ÖGB und GPA. Themen: „Beziehungen zwischen Wehrpflichtigen und Berufssoldaten und ihren Organisationen“, „Juristisches Verfahren in den Armeen“. Der Rechtsanwalt und Vertreter von Amnesty International Österreich bei der UNO, Gabriel Lansky, hält ein beeindruckendes Referat über den Disziplinararrest und die Vereins-, Versammlungs- und Pressefreiheit für Soldaten im Rahmen der Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte. Der Kongress beschließt die Einsetzung eines Rechtsausschusses von ECCO, als dessen Vorsitzender der Obmann der VDSÖ, Kurt Wegscheidler gewählt wird.
Strafanzeige im Fall des bei einer Übung verstorbenen Wehrmanns Leopold Reisinger, der überanstrengt wurde, obwohl sein angeschlagener Gesundheitszustand bekannt war. Der VDSÖ-Soldatenvertreter Bernhard Vock bringt mit Unterstützung der Organisation eine außerordentliche Beschwerde gegen den „Zapfenstreich“ ein. Gemeinsame Beschwerde von mehreren VDSÖ-Reservisten gegen die Angelobung von Wehrmännern am 25. 10. 1986 zu Ehren Radetzkys, der die demokratischen Kräfte 1848/49 unterdrückte. Die Beschwerdekommission weist vorerst die Beschwerde wegen angeblicher Unzulässigkeit zurück, holt jedoch nach Hinweis der VDSÖ auf die besondere Rechtslage für Reservisten ein Rechtsgutachten des Verteidigungsministeriums ein.
Ein Soldatenvertreterkomitee mehrerer Bundesländer, an dem sich VDSÖ-Mitglieder beteiligen, sammelt ca. 2000 Unterschriften für Freifahrt auf öffentlichen Verkehrsmitteln und für die 5-Tagewoche für Präsenzdiener.
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1985
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Walter Reder, Massenschlächter der Nazis in Marzabotto, wurde nach Freilassung und Rückkehr nach Österreich von Verteidigungsminister Frischenschlager per Handschlag empfangen. Der Kriegsverbrecher wird in die Martinek-Kaserne (NÖ) gebracht, wo der VDSÖ-Soldatenvertreter Andreas Bauer sofort dagegen Unterschriften zu sammeln beginnt und darauf im Morgenjournal interviewt wird. Proteste der VDSÖ und des Leiters des Wehrpolitischen Büros im Verteidigungsministerium, Obst. Karl Semlitsch.
Der VDSÖ-Obmann gewinnt als Ankläger zwei Ehrenbeleidigungsprozesse gegen den Obmann der „Aktion 0sterreich“ und gegen den „Österreichischen Kameradschaftsbund“.
Zweiter Lenkungsausschuss der europäischen Wehrpflichtigenorganisationen (ECCO) in Wien. Die VDSÖ erhält eine Einladung des Verteidigungsministerium in die Korneuburger Dabsch-Kaserne. ECCO-Vertreter werden damit erstmals in eine europäische Kaserne eingeladen und diskutieren mit österreichische Wehrpflichtigen und ihren Soldatenvertretern. Auch ein Abendjournal des ORF beschäftigt sich mit ECCO. Der „Soldat“ bringt ein längeres Interview mit dem Obmann der VDSÖ.
Die VDSÖ erreicht gemeinsam mit der Journalistengewerkschaft vom Parlament eine Zurückweisung der Vorlage zum neuen Heeresdisziplinargesetz an das BMLV Wien wegen verfassungswidriger Einschränkungen für Reservisten. Die Vorlage muss vom Verteidigungsministerium daraufhin überarbeitet werden.
Teilnahme an der 7. Konferenz europäischer Wehrpflichtigenorganisationen (ECCO) in Malmö (Schweden). Die VDSÖ wird zum Mitglied des vierköpfigen Lenkungsausschusses von ECCO gewählt. Themen: „Gesundheitssysteme in der Armee“, „Organisationsformen der Wehrpflichtigen“. Beschluss, die nächste ECCO-Konferenz in Wien abzuhalten.
SPÖ-und ÖVP-Abgeordnete zum Europarat unterstützen auf Ersuchen der VDSÖ den Vorschlag im Europarat, auf die Beschränkungen der Vereins- und Versammlungsfreiheit für Soldaten in der „Europäischen Konvention zum Schutz der Menschenrechte“ zu verzichten.
Die VDSÖ bringt die erste österreichische Rechtsberatungsbroschüre für Soldaten heraus. Titel: „Die Rechte der Soldaten“, 100 Seiten stark. Das Wehrpolitische Büro lässt die Broschüre überprüfen. Ergebnis: Das Verteidigungsministerium attestiert der Broschüre volle Korrektheit. Laut Aussagen von Experten handelt es sich um das umfassendste diesbezügliche Werk in Österreich.
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1984
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Eine Wehrgesetznovelle erfüllt die Forderung der VDSÖ nach der Möglichkeit der Bildung von Soldatenvertreterkomitees, die während der Dienstzeit zusammentreten können.
Im Februar wird dem 50. Jahrestag des Bürgerkriegs in Österreich gedacht. So gut wie alle Jugendorganisationen unterzeichnen gemeinsam mit der VDSÖ ein Forderungsprogramm für die Demokratisierung des BH. Mahnwache von uniformierten VDSÖ-Iern für die gefallenen Februarkämpfer; Unterstützung und Anwesenheit bei einer Angelobung im Karl-Marx-Hof. Herausgabe eines Dossiers „Das Bundesheer der 2. Republik und der 12. Februar 1934“, in dem eine demokratische Traditionspflege für das Bundesheer gefordert wird. Die VDSÖ verlangt weiters in einer öffentlichen Diskussion die Möglichkeit des Einsatzes des Bundesheer zur Aufrechterhaltung der inneren Ruhe und Ordnung zu beseitigen. Der anwesende Verteidigungsminister Frischenschlager sagt eine Überprüfung zu.
Zum ersten Mal tagt der Lenkungsausschuss von ECCO (Europäischer Wehrpflichtigenrat) in Wien. Die VDSÖ arrangiert Rundfunkinterviews mit den ausländischen Gästen.
Der Disziplinararrest wird kurzfristig auf alle Reserveunteroffiziere und Offiziere ausgedehnt. Außerdem werden Geldbußen für Präsenzdiener eingeführt. Die VDSÖ protestiert als einzige Soldatenorganisation dagegen und verlangt Verhandlungen mit dem Verteidigungsministerium.
Durchsetzung einer Erhöhung des Taggeldes für Grundwehrdiener auf 45,- Schilling. Teilnahme an der 6. Konferenz europäischer Wehrpflichtigenorganisationen (ECCO) in Athen; Themen: „Frieden, Demokratie und die Armee“, „Gesundheitssystem in der Armee“. Nach Intervention der VDSÖ wird die Überstundenverpflichtung für Zeitsoldaten auf zwei Journaldienste pro Monat reduziert.
Der Verfassungsgerichtshof gibt einer von der VDSÖ unterstützten Beschwerde statt und gesteht nunmehr auch den Präsenzdienern das Recht auf Beiziehung eines Rechtsanwalts im Disziplinarverfahren zu. Dies war bis dahin nur Berufssoldaten vorbehalten. Steirische VDSÖ-ler decken auf, dass in einigen Grazer Kasernen entgegen einer Ministerweisung für das „Volksbegehren zur Verlängerung des Zivildienstes geworben wird. Der Steirische Militärkommandant versucht die Vorfälle bei einer Pressekonferenz herunterzuspielen, muss sie jedoch letztlich zugeben.
Die Beschwerdekommission beim Verteidigungsministerium entscheidet über eine a. o. Beschwerde des VDSÖ-Mitglieds Sandor Sos und stellt fest, dass Exerzieren nicht als Strafe eingesetzt werden darf und Kollektivmaßnahmen wegen Verfehlungen unzulässig sind.
Verhandlungen mit dem Verteidigungsministerium zusammen mit der Österreichischen Gewerkschaftsjugend und dem Bundesjugendring. Erfolg: Der Arrest soll im neuen Heeresdisziplinargesetz beseitigt, die Ordnungshaft beschränkt werden; weiters sind ein Gnadenrecht des Bundespräsidenten, ein Verschlechterungsverbot für Disziplinarstrafen in 2. Instanz und unabhängige Haftprüfungsorgane vorgesehen.
Die VDSÖ deckt auf, dass es bei einer Winterübung in OÖ wieder zu Erfrierungen gekommen ist.
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1983
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Organisation einer Februarveranstaltung zu Ehren der 1934 gefallenen Demokraten. Der „Kurier“ veröffentlicht nach Information durch die VDSÖ, dass es bei einer Winterübung des Landwehrstammregiment 21 (Maria-Theresienkaserne) zu Erfrierungen kam. Die VDSÖ berät den Hauptbetroffenen über seine Ansprüche nach dem Heeresversorgungsgesetz, der später eine Rente vom Landesinvalidenamt und 10.000,- Schilling durch das Verteidigungsministerium erhält.
Mahnwache von uniformierten VDSÖ-lern am Grabe von Feldmarschallleutnant Jansa am Hietzinger Friedhof aus Anlass des Jahrestages der Okkupation Österreichs am 13. März 1938. Jansa war einer der hohen Offiziere des Bundesheeres der 1. Republik, die Österreich verteidigen wollten.
Verteidigungsminister Frischenschlager bezeichnet die VDSÖ öffentlich als „Gefahr für das Bundesheer“. Auftritt der VDSÖ im Fernsehen. Der Minister nimmt die Äußerung wieder zurück. Herausgabe des Buches „Tagwache“„ des Soldatenvertreters und Mitbegründers der VDSÖ, Josef Baum.
Aufdeckung der ehemaligen Mitgliedschaft des Armeekommandanten Bernadiner beim „Nationalsozialistischen Soldatenring“ durch die VDSÖ. Nach dem Staatsvertrag 1955 hätte er nicht einmal Mitglied des österreichischen Bundesheer werden dürfen.
Teilnahme der VDSÖ an der 5. Konferenz europäischer Wehrpflichtigenorganisationen (ECCO) in Helsinki; Themen der Konferenz: „Kommunikation zwischen Wehrpflichtigen und ihren Organisationen“, „Wehrpflichtigenarmee - Warum?“, „Atomare Abrüstung“; wesentlicher Beitrag der VDSÖ bei der Annahme einer Resolution, die die Soldatenbewegung auf die Linie der Friedensbewegung orientiert.
Aufdeckung von „Schleifereien“ beim Landwehrstammregiment 22 (Carls-Kaserne); der Militärarzt bringt eine Beschwerde gegen den verantwortlichen Zugskommandanten ein.
Der Verfassungsgerichtshof bestätigt die Verfassungswidrigkeit des Disziplinararrests auf Grund der Beschwerde der VDSÖ nach der Arreststrafe für VDSÖ-Gründer 1982, und räumt dem Parlament eine Frist zur Lösung des Problems bis 31. Mai 1984 ein.
Die VDSÖ publiziert einen heeresinternen Geheimerlass über schwarze Listen für unliebsame Soldaten. September 1983: Josef Baum, Autor von „Tagwache“, gewinnt eine Verleumdungsklage gegen einen ehemaligen vorgesetzten Offizier.
Die VDSÖ erreicht gemeinsam mit den Jugendorganisationen, dass den österreichischen Soldaten als einzigen in Europa für eine Friedensdemonstration dienstfrei gegeben wird. Teilnahme an der großen Friedensdemonstration in Wien. Der Obmann der VDSÖ, Kurt Wegscheidler, spricht zu den Demonstranten.
Verhandlungen mit den Jugendorganisationen über ein Demokratisierungsprogramm für das Bundesheer.
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1982
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Teilnahme von VDSÖ-lern an einer Veranstaltung zu Ehren der Verteidiger der demokratischen Republik im Februar 1934. Mahnwache von uniformierten VDSÖ-lern am Grabe von Feldmarschall-
leutnant Jansa, der die 1. Republik gegen die deutsche Okkupation verteidigen wollte.
Im April findet die erste Generalversammlung statt. Die VDSÖ beschließt ihr Programm, in dem das Bekenntnis zur allgemeinen Wehrpflicht, dem Milizgedanken und einem umfassenden Demokratisierungsprogramm festgelegt werden; Anmeldung der VDSÖ als Verein. Das Verteidigungsministerium erhebt Einwände gegen die Gründung, denen vom Innnenministerium nicht stattgegeben wird.
Aufdeckung einer Objektschutzübung gegen Friedensdemonstration in Oberösterreich durch die VDSÖ. Das zuständige oberösterreichische Militärkommando streitet die Übung, bei der die Verhaftung der „Demonstranten“ geübt wurde, so lange ab, bis die VDSÖ Fotos vorlegt. Teilnahme der VDSÖ an der großen Friedensdemonstration in Wien.
Teilnahme der VDSÖ an der 4. Europäischen Konferenz der Wehrpflichtigenorganisationen (ECCO) in Gilvelje/Dänemark; die VDSÖ wird sofort als Vollmitglied aufgenommen. Themen der Konferenz: „Arbeitsbedingungen und Sicherheitsbestimmungen in den Streitkräften“, „Die Beziehung zwischen den Wehrpflichtigenorganisationen und den Gewerkschaften“.
Die VDSÖ deckt während einer Radiosendung den BH-internen Plan auf, die „Bereitschaftstruppe“ in eine kleine Berufssoldatenarmee umzuwandeln. Der Plan wird daraufhin vom Bundesministerium für Landesverteidigung (BMLV) zurückgenommen.
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1981
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In der zweiten Hälfte der 70er Jahre wird von demokratisch gesinnten Präsenzdienern die Zeitung „Querschläger“ herausgegeben.
Ende 1981 kommt es zur Gründung eines „Komitees für eine Vereinigung demokratischer Soldaten Österreichs“ durch Präsenzdiener mehrerer Kasernen, u. a. der Wiener Maria-Theresienkaserne. Verschmelzung mit der Kerngruppe des ehemaligen „Blindgängers“, der zur Zeitung des Komitees wird und in der Folge 4-6 mal jährlich erscheint.
Klaus Unterberger von der „Blindgänger-Gruppe“ hat bereits im Sommer an der 3. Europäischen Wehrpflichtigenkonferenz (ECCO) in Paris teilgenommen. Drei Mitglieder der Gruppe, unter ihnen ein Ausbildner werden wegen Teilnahme an einer Demonstration und letztlich wegen ihrer Organisationsarbeit in den Militärarrest gesteckt, wo sie sofort in den Hungerstreik treten. Nach ihrer Entlassung bringen sie eine Beschwerde gegen den Arrest beim Verfassungsgerichtshof ein. Das Komitee sammelt innerhalb kurzer Zeit rund 2500 Unterschriften für 70,- Schilling Taggeld und Freifahrt auf öffentlichen Verkehrsmitteln. Einige Hundert Unterschriften werden konfisziert.
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